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Welpe entlaufen: Was tun in den ersten 60 Minuten

Veröffentlicht · 7 Min. Lesezeit

Ein Labrador-Welpe sitzt allein im hohen Gras einer Wiese

Ein entlaufener Welpe ist kein kleiner entlaufener Hund. Ein erwachsener Hund kennt das Quartier, hört auf seinen Namen und hat die Kondition für Kilometer; ein Welpe hat nichts davon. Er sitzt mit grosser Wahrscheinlichkeit wenige hundert Meter von der Stelle entfernt, an der er Ihnen entwischt ist, in der ersten engen, tiefen Lücke, die er gefunden hat — und er kann sich weder lange warm noch kühl noch mit Wasser versorgt halten. Die Suche ist kleiner, als Sie befürchten, und die Uhr läuft schneller, als Sie denken.

Warum ein Welpe anders reagiert als ein erwachsener Hund

Fast alles, was über entlaufene Hunde geschrieben wird, gilt für erwachsene Tiere. Ein Welpe von wenigen Monaten folgt eigenen Regeln:

  • Er läuft nicht weit. Er hat kein Revier, in das er zurückrennen könnte, und keinen Drang zu wandern — meist bleibt er innerhalb weniger hundert Meter stehen, oft in Sichtweite des Gartentors.
  • Er ist nach Minuten erschöpft. Nach einem kurzen Panikspurt legt er sich hin und bleibt liegen. Der Welpe, den Sie nicht sehen, versteckt sich also — er ist nicht unterwegs.
  • Er versteckt sich tief und eng: unter Terrassen und Treppen, in Hecken, unter geparkten Autos, in Gräben und Abflussrohren, in offenen Schuppen und Garagen, hinter Mülltonnen.
  • Er hat noch keinen Rückruf und folgt jedem — einem Kind, einem Jogger, einem fremden Hund. Das macht ihn leicht anzusprechen und ebenso leicht mitzunehmen.
  • Er kann seine Körpertemperatur nicht regulieren und trocknet innerhalb von Stunden aus. Ein nasser Welpe kühlt in einer milden Nacht aus, ein Welpe im sonnigen Schuppen überhitzt bis Mittag.

Die ersten 60 Minuten: nah, tief unten und leise suchen

Lassen Sie das Auto stehen. Ein Welpe wird zu Fuss gefunden, auf Kniehöhe, von jemandem, der leise ist. Verteilen Sie die Aufgaben sofort:

  1. Eine Person bleibt am Ausbruchspunkt — dem offenen Gartentor, der Haustür, dem Parkplatz — mit der Box, einer Decke, die nach Zuhause riecht, und einer Schale Wasser. Ein Welpe, der sich beruhigt, kommt oft genau hierher zurück.
  2. Alle anderen gehen einen Radius von 100 bis 300 Metern zu Fuss ab, langsam und in der Hocke: unter Autos, Terrassen, Hecken, Gartenmöbel und Anhänger schauen.
  3. Sprechen Sie leise und mit hoher Stimme und nutzen Sie Geräusche, die der Welpe kennt: das Quietschspielzeug, den Leckerlibeutel, das Klopfen an den Napf. Alle paar Minuten stehen bleiben und auf Winseln horchen.
  4. Nehmen Sie einen Lockvogel mit, dem er vertraut: ein Wurfgeschwister, die Mutter oder einen ruhigen, vertrauten Hund an der Leine. Die meisten Welpen kommen für einen anderen Hund lange vor einem Menschen hervor.
  5. Kontrollieren Sie jeden geschlossenen Raum: Schuppen, Garagen, Keller, Müllräume, Gewächshäuser. Bitten Sie Nachbarn, ihre zu öffnen — ein Welpe, der bei offener Tür hineinspaziert ist, sitzt jetzt eingesperrt.
  6. Gehen Sie zuerst die Verkehrsschwerpunkte und das Wasser ab: die nächste stark befahrene Strasse, den Parkplatz, den Teich, den Graben am Feldrand. Ein Welpe hat keinerlei Verkehrssinn.

Die Menschen erreichen, die den Welpen tatsächlich sehen werden

Ein Welpe wird von dem gefunden, der zufällig in der Nähe auf Bodenhöhe unterwegs ist. Informieren Sie in der ersten Stunde:

  • Die direkten Nachbarn, persönlich. Bitten Sie sie, sofort Garten, Schuppen und Garage zu kontrollieren und Tore danach geschlossen zu halten.
  • Die Menschen, die ohnehin draussen sind: Hundehalter, Jogger, Paketboten und Zusteller, die Müllabfuhr, Eltern auf dem Schulweg. Zeigen Sie ihnen das Foto auf dem Handy.
  • Kinder und ihre Eltern. Kinder nehmen einen Welpen am ehesten hoch, tragen ihn nach Hause und wollen ihn behalten — eine Nachricht in die Klassen- oder Kita-Gruppe kostet nichts.
  • Tierarztpraxen und Tierheime im Umkreis von wenigen Kilometern sowie die Polizei beziehungsweise das Fundbüro. Bitten Sie darum, jeden abgegebenen Welpen zu scannen und Ihre Nummer zu notieren.
  • Das Haustierregister — falls der Welpe überhaupt schon gechippt und registriert ist. Viele Welpen sind noch auf den Züchter oder das Tierheim eingetragen, oder der Chip wurde implantiert, aber nie registriert. Rufen Sie den Züchter oder das Tierheim noch heute an, damit jeder Anruf an Sie weitergeleitet wird; melden Sie den Welpen in Deutschland bei TASSO oder FINDEFIX vermisst, in Österreich in der Heimtierdatenbank, in der Schweiz bei der STMZ.

Posten Sie dann in den lokalen Suchgruppen und bringen Sie das Foto vor die Augen der Menschen, die solche Gruppen nie öffnen. PawAlarm zeigt das Foto Ihres Welpen als gezielte Anzeige auf Facebook und Instagram den Menschen, die rund um den Ort des Verschwindens wohnen, und liefert Ihnen ein druckfertiges Plakat für Laternen und Schaufenster in denselben Strassen. Den Welpen, der drei Häuser weiter unter einem Auto sitzt, findet die Person, die in diesem Haus wohnt — die Suchmeldung ist der Weg, auf dem sie erfährt, dass er Ihnen gehört.

Die Risiken, die nur Welpen betreffen — und was auf dem Plakat stehen muss

Die Gefahren für einen erwachsenen Hund gelten auch für einen Welpen, aber drei davon treffen viel schneller ein, und eine ist rein menschlich.

  • Kälte. Ein kleiner, nasser Welpe verliert innerhalb von ein bis zwei Stunden Körperwärme, auch in einer milden Nacht. Unterkühlung macht ihn still und reglos — genau deshalb antwortet er nicht mehr.
  • Hitze und Durst. An einem warmen Tag ist ein Welpe im verschlossenen Schuppen, im Auto oder auf heissem Asphalt innerhalb von Stunden in Gefahr, und Wasser findet er allein nicht.
  • Verkehr. Ein Welpe setzt sich auf die Strasse und erstarrt im Scheinwerferlicht. Sitzt er an oder auf einer stark befahrenen Strasse, jagen Sie ihn nicht auf die Fahrbahn — rufen Sie den Notruf 112 und bitten Sie darum, den Verkehr zu bremsen.
  • Gut meinende Finder. Ein Welpe allein wirkt «ausgesetzt», nicht «entlaufen». Man behält ihn über Nacht, beschliesst, dass er ausgesetzt wurde, und eine Woche später hat er einen neuen Namen. Auf einen Chip-Scan kommt bei einem so offensichtlich heimatlosen Welpen niemand.

Das Plakat so formulieren, dass der Finder ihn zurückbringt

Jede Zeile auf Plakat und Suchmeldung muss gegen die Geschichte vom «ausgesetzten Welpen» arbeiten. Die Überschrift lautet «Familienwelpe vermisst», nicht «Hund entlaufen». Nennen Sie das Alter in Wochen oder Monaten und den Namen, und schreiben Sie, dass er noch nicht vollständig geimpft ist und seine Impfungen braucht — das sagt dem Finder, dass es einen Halter und einen Tierarzt gibt. Ergänzen Sie «zwei Kinder vermissen ihn sehr», wenn es stimmt, schreiben Sie, dass er gechippt ist oder eine Marke trägt, und bitten Sie darum, ihn bei jedem Tierarzt kostenlos scannen zu lassen oder zuerst Sie anzurufen. Ein scharfes Foto mit Grössenvergleich — Hand, Schuh — ist besser als das süsseste.

Wenn Sie ihn wiederhaben: erst zum Tierarzt, dann die Lücken schliessen

Mit dem Wiedersehen ist es nicht getan. Ein Welpe, der Stunden oder eine Nacht draussen war, braucht noch am selben Tag die Kontrollen, die ein erwachsener Hund wegstecken würde:

  • Wärmen Sie ihn langsam, mit Decke und Körperwärme, nicht mit einer Wärmflasche direkt auf der Haut. Bieten Sie alle paar Minuten Wasser in kleinen Portionen an, keinen vollen Napf, den er hinunterschlingt und wieder erbricht.
  • Füttern Sie eine kleine Mahlzeit, keine grosse, und achten Sie am nächsten Tag auf Erbrechen, Durchfall oder Teilnahmslosigkeit.
  • Gehen Sie noch am selben Tag oder am nächsten Morgen zum Tierarzt: Austrocknung, Zecken, aufgeschnittene Ballen, Humpeln nach einem Sturz, Verschlucktes — und ein Chip-Scan, der bestätigt, dass die Nummer lesbar ist.

Dann beheben Sie, was den Ausbruch möglich gemacht hat:

  • Gehen Sie den Zaun auf Welpenhöhe ab, auf den Knien. Wo eine Hand durchpasst, passt ein Welpe durch — auch unter Toren und hinter Schuppen kontrollieren.
  • Doppelt sichern an Türen: Geschirr plus Halsband, oder die Leine einhängen, bevor die Tür aufgeht. Die meisten Welpen entwischen durch eine Haustür, die für Besuch offen gehalten wird.
  • Hängen Sie vom ersten Tag an eine Marke mit Ihrer Telefonnummer ans Halsband, und registrieren Sie den Chip jetzt auf Ihren eigenen Namen — in Deutschland bei TASSO oder FINDEFIX, in Österreich in der Heimtierdatenbank, in der Schweiz bei AMICUS. Der Chip eines Welpen läuft oft noch auf den Züchter.
  • Beginnen Sie diese Woche mit dem Rückruftraining im Garten, immer belohnt, und lassen Sie den Welpen draussen an der Schleppleine, bis der Rückruf verlässlich sitzt.

Ist der Welpe noch draussen, während Sie das lesen: Stellen Sie eine Person an den Ausbruchspunkt, schicken Sie alle anderen zu Fuss los — und bringen Sie das Foto zu den Nachbarn, solange die Suche noch klein ist.

Häufige Fragen

Wie weit läuft ein entlaufener Welpe?
Meist nur wenige hundert Meter. Ein Welpe hat kein Revier, das er ansteuern könnte, und keine Kondition — er rennt, bis die Panik nachlässt, und versteckt sich dann in der ersten engen, tiefen Lücke: unter einem Auto, in einer Hecke, unter einer Terrasse, in einem Schuppen. Suchen Sie nah und tief unten, bevor Sie den Radius erweitern.
Kommt ein entlaufener Welpe von alleine zurück?
Manchmal, aber verlassen Sie sich nicht darauf. Ein Welpe von wenigen Monaten kennt die Gegend nicht und findet nicht nach Hause; die Welpen, die vor der Tür auftauchen, haben die Strasse meist nie verlassen. Lassen Sie das Tor offen, stellen Sie Box und Decke an den Ausbruchspunkt, lassen Sie jemanden dort und suchen Sie aktiv zu Fuss.
Wie lange überlebt ein Welpe alleine draussen?
Deutlich kürzer als ein erwachsener Hund, und es hängt vor allem vom Wetter ab. Ein Welpe kann seine Temperatur kaum regulieren: Eine nasse, kalte Nacht oder ein heisser Nachmittag ohne Wasser wird innerhalb von Stunden gefährlich. Behandeln Sie einen vermissten Welpen von der ersten Minute an als Notfall, bei Tag wie bei Nacht.
Mein Welpe ist noch nicht gechippt oder der Chip läuft auf den Züchter — was jetzt?
Rufen Sie den Züchter oder das Tierheim noch heute an: Jeder Anruf zum Chip soll an Sie weitergeleitet und der Welpe im Register als vermisst gemeldet werden. Sagen Sie jeder Praxis und jedem Tierheim in der Nähe, dass ein gefundener Welpe beim Scannen auf einen fremden Namen zeigen kann. Setzen Sie dann auf das, was kein Register braucht: Marke, Plakate und eine Suchmeldung mit Foto.
Jemand hat meinen Welpen gefunden und will ihn behalten — was kann ich tun?
Bleiben Sie ruhig und freundlich und bringen Sie Belege mit: Impfpass, Kaufvertrag oder Schutzvertrag, Fotos auf dem Handy, die Chipnummer. Bitten Sie darum, den Welpen bei irgendeinem Tierarzt scannen zu lassen. Wird das verweigert, schalten Sie die Polizei über die örtliche Nummer und das Tierheim ein, statt die Sache selbst auszutragen.

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